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Charaktervolle Abenteuer mit und ohne Rad.

Radweg Berlin – Leipzig – Ein Reisebericht

“Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.” Goethe hat es seinerzeit schon ganz gut auf den Punkt gebracht. Und so sollte die erste kleine Radreise des Jahres mal nicht in weiter Ferne, sondern direkt vor der Haustür in Berlin starten. Oft genug wird man bei der Fahrt durch den berliner Park am Gleisdreieck an den beginnenden Radweg Berlin – Leipzig erinnert und so sollte dieser Ostern 2017 die persönliche Radtourensaison eröffnen.

In Berlin selbst wird bis zur Stadtgrenze derzeit noch auf die Nutzung des Berliner Mauerradweges verwiesen, da die entscheidenden Bauarbeiten für die geplante Strecke entlang Gleisdreickpark, Naturpark Schöneberger Südgelände, Lankwitz und Lichtenrade noch nicht fertiggestellt sein sollen (Stand April 2017). Mit ein bisschen Geschick, findet man trotzdem schnell einen entspannten Weg raus aus der Stadt.

Von der Stadtgrenze Berlin bis nach Wittenberg (ca. 120 km)

Mit dem Übergang von Berlin nach Brandenburg beginnt ein sehr gut ausgebauter und ausgeschilderter Fernradweg. Anfangs verläuft die Wegführung häufiger entlang der Bundesstraße, dann ist aber stets ein getrennter Radweg verfügbar. Später geht sie immer mehr über Dörfer und über wenig befahrene Landstraßen. Dort muss man teilweise die Straße nutzen, was aber aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens in Ordnung ist. Wenn man die Großstadt Berlin erst einmal hinter sich gelassen hat, tritt gefühlt mit jedem Kilometer mehr und mehr eine Entschleunigung ein. Die Dörfer und Kleinstädte, mit ihren schmucken Ortskernen, haben immer größere Abstände zueinander. Menschen und Verkehr strahlen, im Gegensatz zur Hauptstadt, eine entspannte Ruhe aus, ideal zum Runterkommen und Durchatmen.

Skate-Region Fläming

Umso mehr wir uns der Stadt Jüterborg nähern, umso besser werden noch einmal die Radwege. Gut asphaltierte und komplett autofreie Wege führen durch Wiesen und Wälder, fernab von sämtlichen Straßen. Der Grund: Fläming Skate! In einem großen Radius rund um die Stadt Jüterborg wurde ein sehr umfangreiches Streckennetz für Inlineskater angelegt, welches gleichzeitig auch von Radfahrern und Fußgängern genutzt wird. Durch die strikte Trennung vom Autoverkehr, fährt man hier seelenruhig und ultraleicht durch die herrliche Landschaft. Da schlägt das Radlerherz sofort höher und man nimmt den Mehrweg durch die kurvenreichen Strecken gerne in Kauf.

Lutherstadt Wittenberg

Wittenberg bietet sich wunderbar als Übernachtungsstadt an. Unterkünfte gibt es reichlich und in jeder Preislage. Die historisch sehr bedeutsame Innenstadt lädt, gerade im Lutherjahr 2017, zum Abendspaziergang ein, es gibt zahlreiche Restaurants und Cafés. Auf Radtouristen ist man hier sehr gut vorbereitet, denn Wittenberg wird, neben dem Radweg Berlin – Leipzig, auch noch vom Elberadweg durchkreuzt. Wer hier nicht übernachten möchte, hat die Möglichkeit, sein Reiserad samt Gepäck in einer der kostenlos verfügbaren Fahrradboxen für die Dauer der Stadterkundung einzuschließen (siehe Foto). Das nenne ich mal eine super Lösung.

Von der Lutherstadt Wittenberg bis nach Leipzig (ca. 90 km)

Man verlässt Wittenberg über die Elbe in Richtung Kemberg. Nachdem man vorher bereits ein Stück entlang des schönen Bergwitzsees gefahren ist, beginnt hinter Kemberg ein sehr schönes Heide- und Waldgebiet, der Naturpark Dübener Heide. Hier macht der Radweg Berlin Leipzig bewusst auf kurvenreichen Strecken einige Umwege, die sich aufgrund des Naturerlebnisses jedoch sehr lohnen. Wer möchte, kann hier auch gut abkürzen und sich einige Kilometer sparen, verpasst dann allerdings auch ein wenig Natur.

Von Bad Schmiedeberg bis nach Bad Düben führt der Weg durch Wälder, größtenteils über unbefestigte Waldwege. Es kommen auch noch ein paar Steigungen und Gefällstücke hinzu. Insgesamt wird es somit technisch und konditionell anspruchsvoller als auf dem Stück zwischen Berlin und Wittenberg, man braucht allerdings kein Profi zu sein, um auch diesen Teil meistern zu können. Nach Bad Düben verlässt man den Wald und fährt über Dörfer bis nach Leipzig. Das Höhenprofil bleibt ein bisschen wellig, lässt sich aber auch mit wenigen Gängen weiterhin gut fahren.

Die Einfahrt in Leipzig ist sehr schön gestaltet. Bis 9 km vor dem eigentlichen Ende des Radfernweges am Hauptbahnhof merkt man noch nicht einmal, dass sich eine Großstadt nähert. Dann führt die Wegführung über kleine Seitenstraßen und Parks fast bis ins Zentrum, die großen Straßen werden bis 2 km vorm Ziel komplett gemieden. Sehr schön gemacht.

Fazit

Der Radweg Berlin – Leipzig ist ein wunderbar und vor allem durchdacht angelegter Fernradweg und bereitet Freude beim Fahren. Viele schöne Orte in der Region werden miteinander verbunden, die Natur wird bestens eingebunden. Wo möglich, werden autofreie Strecken genutzt. Wenn doch Autostraßen genutzt werden, dann sind diese meist wenig befahren und ruhig. Für mich ist der Radweg entweder ein gutes Zwischenstück einer langen Radreise oder der perfekte Wochenendausflug für Leute aus den beiden Städten. Die Rückfahrt mit der Bahn ist relativ günstig und ohne Reservierungen mit den Regionalbahnen möglich.

GPS-Daten und weitere Infos

Es gibt eine eigene Website zum Radweg (http://www.radweg-berlin-leipzig.de). Dort findet man gute Beschreibungen, weitere Informationen und vor allen Dingen kostenfreie GPS-Daten. Bikeline hängt diese Strecke an den Elster-Radweg an und bezieht sie in das gleichnamige Buch mit ein.

Unsere Reise ging anschließend noch nach Dresden weiter, dazu demnächst in einem weiteren Beitrag mehr…

2 Kommentare

  1. Hallo,
    ist der Radweg rennradtauglich? Auf dem einen Foto scheint es, als würdet ihr auf einem Waldweg stehen…

    Grüße

    • With-or-Without-Bike

      24. April 2017 at 9:13

      Hallo!
      Ich würde sagen, dass der Radweg bedingt rennradtauglich ist. Von Berlin bis nach Wittenberg sind die Wege überwiegend in einem guten und asphaltierten Zustand. Hinter Wittenberg wird es schwieriger, zwischen Kemberg und Bad Düben ist der Weg fast ausschließlich auf unbefestigtem Waldboden. Dort müsste man sich vorher besser eine Umfahrung auf den Bundes- und Landstraßen ausarbeiten.

      Ich hoffe, ich konnte dir mit der Antwort ein wenig weiterhelfen.

      Grüße aus Berlin

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