Kopenhagen, Amsterdam, Vancouver, Portland,… – Immer wieder fällt der Name Vancouver, wenn es um Städte mit einer guten und sicheren Infrastruktur für Radfahrer geht. Es wird von den vorbildlichen Veränderungen gesprochen, welche die Stadt in Bezug auf die Sicherheit, das Wohlbefinden und den Verkehrsfluss des Radverkehrs in den letzten Jahren vorgenommen hat. Doch ist Vancouver aus der Sicht der Radfahrer wirklich so gut, wie es immer beschrieben wird? Nun ja, durch meinen mehrmonatigen Aufenthalt in dieser wunderbaren Metropole hatte ich als überzeugter Stadtradler die Möglichkeit, dies alles intensiv unter die Lupe zu nehmen.

Was grundsätzlich total überzeugt, ist der Wille der lokalen Regierungen, eine Fahrradstadt/-region zu sein bzw. zu werden. Angetrieben vom Vorhaben, im Jahr 2020 die grünste Stadt der Welt zu sein, wurde in den letzten Jahren ununterbrochen in eine Infrastruktur investiert, welche das Auto verzichtbar machen soll. Und dies in Nordamerika, wo das Auto in der Mentalität der Bevölkerung zumeist alternativlos das Verkehrsmittel Nummer eins ist.

Den Willen zur Veränderung erkennt man selbst als Laie an vielen kleinen Details sehr schnell. In den letzten Jahren gab es einige, für Autofahrer schmerzhafte, Veränderungen in der Stadt, welche den lokalen Regierungen auch durchaus Stimmen gekostet haben. Eine der umstrittensten Entscheidungen in diesem Zusammenhang war der Umbau der Burrard Bridge im Jahr 2009. Seinerzeit wurde eine Kfz-Fahrspur stadtauswärts entfernt und durch geschütze Radwege in beide Richtungen ersetzt. Die Zahl der Radfahrer stieg schlagartig. Waren es vor dem Umbau quasie null, erreichte man 2015 den 1.000.000sten Radfahrer des Jahres bereits im August.

Und die Umbaumaßnahmen dauern an. In dem halben Jahr, das ich in der Stadt verbracht habe, wurden weiter Autofahrspuren in baulich abgetrennte Radwege umgewandelt.

Die (versteckte) Hauptachsen des Radverkehrs – Der Adanac Bike Trail

Wenn man sich die Hauptstraßen der Stadt zunächst anschaut, weil man zum Beispiel mit dem Auto oder Bus unterwegs ist, wird man sehr schnell der Meinung sein, dass sicheres Radfahren in dieser Stadt bestimmt nicht möglich ist. Aber der Schein trügt. Man hat auf diesen Routen gar nicht erst versucht, die Radfahrer zu integrieren. Stattdessen wurden die Hauptachsen des Radverkehrs einfach ein paar Blöcke entfernt von den Hauptstraßen des Kraftverkehrs angelegt. Die für nordamerikanische Städte typische Schachbrettstruktur macht dies sehr einfach möglich.

Im Video oben sieht man, außerhalb von Vancouver-Downtown, fast ausschließlich den Adanac Bike Trail. Dieser verbindet sämtliche östliche Stadtteile mit dem Stadtzentrum und verläuft meist ca. 5 Blöcke südlich der Hastings Street, dem Pendant für Autos und Busse. Auf dem Adanac Bike Trail genießt man entspannte Ruhe und Kfz-Armut. Auch wenn man im Video noch viele parkende Autos sieht, gefahren wird hier sehr wenig und wenn, dann eigentlich sehr langsam und rücksichtsvoll. Der Grund: Spätestens nach drei Blöcken ist die Durchfahrt für Autos blockiert, für Fahrräder nicht. Weiterhin ist der Verkehr auf dem Adanac Trail vorfahrtsberechtigt, mit Ausnahme der zu querenden Hauptstraßen. Dort sorgen jedoch bedarfsgesteuerte Ampeln für die sichere Querung.

Die Motivation, mich mit dem Fahrrad zur Arbeit zu bewegen, war für mich bei so einer fahrradfreundlichen Infrastruktur enorm hoch. Auch zeitlich benötigte ich für die ca. 5 km stadteinwärts die gleiche Zeit, die der Express-Bus benötigte. Was möchte das Radfahrerherz mehr?

Weitere Berichte zum Radfahren in Vancouver und zu den einzelnen Veränderungen werden folgen…