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Jobsuche in Vancouver und Kanada

Frisch mit dem Working Holiday Visa in Kanada angekommen stellt sich früher oder später die Frage: Wie komme ich an einen Job?” Die meisten Leute werden nicht so viel Geld mitbringen, dass sie es ein Jahr lang ohne Arbeit schaffen. Außerdem kann man das Leben in einem Land und eine Stadt meiner Ansicht nach wesentlich authentischer und umfangreicher kennenlernen, wenn man dort auch arbeitet. Arbeit spielt nunmal in unserer Gesellschaft eine nicht unerhebliche Rolle, als Teil der persönlichen Identität vielleicht sogar oft eine zu große.

Unterschiede zwischen kanadischem und deutschem Arbeitsleben

Einer der wohl markantesten Unterschiede zwischen diesen beiden Arbeitswelten ist die Schnelllebigkeit, welche in Kanada deutlich stärker ausgeprägt ist. Gerade die Bereiche, in denen Leute mit dem Working Holiday Visa arbeiten, sind von hoher Fluktuation geprägt. Bleibt ja auch nicht aus, wenn man insgesamt nur ein Jahr im Land ist, in dieser Zeit in einer Metropole, einem Skigebiet und auf einer Farm arbeiten möchte, während dazwischen noch ausgiebige Roadtrips angesagt sind.

Die allgemein übliche Kündigungsfrist beträgt 2 Wochen zu irgendeinem Tag deiner Wahl. Es kommt allerdings auch häufig vor, dass Leute von einem auf den anderen Tag nicht mehr zum Dienst erscheinen, manchmal geben sie zumindest Bescheid, manchmal auch nicht. Arbeitsverträge, in der Form wie wir sie verpflichtend aus Deutschland kennen, gibt es in Kanada auch selten. Man füllt einen Personalbogen mit ein paar Formalitäten wie SIN-Nummer (LINK) und Bankverbindung aus und los gehts.

Ein anderer großer Unterschied zwischen dem deutschen und dem kanadischen WHV-Arbeitsmarkt sind die Erwartungen, die an die Qualität der Arbeit gestellt werden. In den typischen Arbeitsbereichen für Leute mit dem Working Holiday Visa kommen Menschen aus der ganzen Welt zusammen. Den Deutschen eilt im Ausland bekanntlich bezüglich ihrer Arbeitsmoral und -qualität mit der German Efficiency” ein guter Ruf voraus (dafür haben wir ausgleichsweise halt nicht immer so viel Spaß im und am Leben), der sich im internationalen Vergleich in der Tat häufig bewahrheitet. Dementsprechend gering sind die Erwartungen seitens der Arbeitgeber, was an sich total entspannt ist. Wenn man mit einer typisch deutschen Arbeitseinstellung einen Job antritt, kommt man in der Regel gut zurecht, im Gegenzug muss man die Erwartungen an Arbeitgeber und Kollegen aber auch senken und über diverse Sachen hinwegsehen. Ansonsten versetzt man sich selbst in unnötigen Stress.

Typische Jobs für Leute mit Working Holiday Visa

Die meisten Jobs gibt es ganz klar im Dienstleistungssektor. Die klassischen Stellen sind in der Gastronomie, in der Hotellerie (vor allem Housekeeping), in touristischen Verleihgeschäften (Skiverleih, Radverleih,…), im Garten- und Landschaftsbau oder auch im Baugewerbe. In den letzten beiden ist die Vergütung verhältnismäßig gut, in vielen anderen Branchen darf man allerdings nicht viel mehr als den gesetzlichen Mindestlohn erwarten. Dieser wird von den Provinzen bestimmt, in Britsh-Columbia beträgt er bespielsweise aktuell $10,45.

Während für Stellen im Baugewerbe und im GALA-Bau das Geschlecht gar nicht so die große Rolle spielt, wird in den Bars sehr sexistisch eingestellt. So sieht man beispielsweise in Vancouver Downtown und Gastown kaum männliche Server, stattdessen werden hier lieber Kellnerinnen eingestellt, die knapp bekleidet manchmal kaum von einer Gogo-Tänzerin zu unterscheiden sind. Trinkgeld ist der entscheidende Teil des Lohnes, da bringt die Kellnerin mit dem großen Ausschnitt halt mehr ein als der steife Typ im Hemd. Andersherum sieht man in den entsprechenden Bars auch kaum weibliche Barkeeper. Sexistische Kackscheiße!

Wo sucht man nach Jobs?

Die ultimative Lösung für alle Jobsuchen heißt “Craigslist”. Dies ist eine werbefreie online Plattform, zu vergleichen mit den Jobbörsen von Arbeitsagentur und lokalen Tagezeitungen, nur dass sie gleichzeitig auch noch Ebay-Kleinanzeigen und WG-gesucht ersetzt. In Vancouver und anderen großen Städten merkt man auf Craigslist sehr zügig, wie schnelllebig der Arbeitsmarkt ist. Unzählige Jobangebote pro Tag, häufig soll man einfach direkt mit seinem seinem Lebenslauf, dem Resume, vorbeikommen und nicht erst die Bewerbung langwierig einreichen.

Desweiteren gibt es einige Personalagenturen, welche arbeitswillige Menschen sehr zügig und auch tageweise in Arbeit vermitteln (in Vancouver zum Beispiel Angus One). In der Regel ist man dann bei den Agenturen angestellt, sagt wann man Zeit hat und ab geht’s.

Neben diesen beiden gibt es natürlich noch viele andere Plattformen und Wege, an Jobs zu kommen. Und in den Monaten vor der Hauptsaison (April/Mai) braucht man in Vancouver zum Beispiel einfach nur mit offenen Augen und einem Lebenslauf durch die Straßen gehen, unzählige Schilder mit der Aufschrift Now Hiring” laden dich quasi zur Bewerbung ein. Weiter gibt es in den Social Media Portalen des Internet viele Gruppen, in denen regelmäßig Stellenanzeigen gepostet werden.

Für Vancouver gesprochen stellt sich also, vor allem im Sommerhalbjahr, weniger die Frage ob man einen Job bekommt, sondern eher was für einen und zu welchen Bedingungen. Das große Geld macht man nicht so einfach, aber zum finanzieren eines kleinen Zimmers und eines einfachen Lebenstiles reicht es.

Jobsuche schon von der Heimat aus?

Da ist er wieder, der deutsche Drang, alles perfekt zu organisieren. Vielleicht ist es auch einfach die deutsche Angst, die diesen Gedanken aufkommen lässt. Grundsätzlich ist die Idee aber nicht schlecht. Wenn man bereits aus der Ferne einen Job finden konnte, wird das Leben in den ersten Tagen definitiv einfacher sein. Die (teilweise schmerzhafte) Orientierungslosigkeit der ersten Tage im neuen Land gepaart mit einem Jetlag wird sicherlich spürbar sinken, wenn man vorher schon diese große Säule der Unsicherheit erledigt hat.

Es gibt einzelne Arbeitgeber, die suchen ganz gezielt Leute mit deutschen Sprachfähigkeiten, sind dann auch gerne zu Skype-Interviews mit Leuten auf anderen Kontinenten bereit. Die meisten typischen Arbeitgeber für Leute mit den Working Holiday Visa suchen aber eher im hier und jetzt, denen ist es schon zu mühsam die vielen Bewerbungen im Email-Postfach durchzuschauen. Daher scheiden viele Stellen für Bewerbungen aus der Ferne aus.

Bewerbungsunterlagen – Das Resume

Wie bewirbt man sich in Kanada? Welche Unterlagen benötige ich? Für die meisten Bewerbungen auf die typischen WHV-Jobs benötigt man eigentlich nur eine Komponente: Den Lebenslauf, der in Kanada auf den Namen “Resume” hört. Ein Anschreiben braucht man nicht, wenn man den Lebenslauf persönlich abgibt. Ansonsten reichen meist ein paar einleitende Worte in der Email.

An dieser Stelle möchte ich nicht allzu tief auf die Gestaltung des Resume eingehen, dazu gibt es genug fundiertes Internetwissen an anderer Stelle. Grundsätzlich gibt es aber ein paar Besonderheiten im Gegensatz zum deutschen Lebenslauf:

  • Kein Bewerbungsfoto
  • Man nennt kein Geburtsdatum oder Alter. Das interessiert nur indirekt.
  • Man fasst im ersten Abschnitt zusammen, was für ein toller Hecht man ist und was man nicht alles kann oder zu können glaubt.
  • Danach listet man chronologisch, beginnend mit dem letzten, seine bisherigen Jobs auf und fasst zu jeden Job zentral zusammen was die Aufgaben, Verantwortungen und die größten Erfolge waren.
  • Man sollte sich selber dabei sehr wichtig nehmen, vielleicht mehr als man es als durchschnittlich bescheidene Person sein sollte.

Vorstellungsgespräche – Interview

Warum darf man nicht authentisch und ehrlich sagen, welche Sachen man gut und welche man nicht gut kann? Ich finde Ehrlichkeit, auch im Umgang mit eigenen Unsicherheiten, sehr authentisch und positiv. Man weiß woran man ist und welche Bereiche man selbst noch optimieren kann. Ich mag es im Berufsleben sehr, Leuten zu begegnen, die authentisch und ehrlich mit ihren Kompetenzen umgehen. Diese Leute genießen in der Regel meinen vollen Respekt, sind nicht angreifbar. Kollegen, die sich permanent kompetenter verkaufen als sie sind, kann ich irgendwann nicht mehr erst nehmen.

Dies ist meine persönliche Haltung. Und mit dieser passe ich definitiv nicht in die (urbane) kanadische Arbeitswelt. Mit meiner Ehrlichkeit zu Unsicherheiten habe ich mir zwei sichergeglaubte und bereits zugesagte Stellen verbaut. Vielleicht kommt an dieser Stelle eine amerikanische Mentalität zum Vorschein: Man hat keine Schwächen. Wenn ich schonmal in der Küche gekocht habe, dann bin ich halt ein Koch. Nicht rumdruxen von wegen “Ich habe das noch nie so richtig selbstständig gemacht, kann ich mir aber vorstellen….”, sondern “Ja, kann ich. Ich haben schonmal für 100 Personen an einem Abend gekocht!” Eine Einarbeitung bekommst du später sowieso. Wenn man die Stelle einmal angetreten hat, sind die Erwartungen nicht so hoch, wie wir das mit unserer deutschen Sicht erwarten würden.

 

2 Kommentare

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