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Kategorie: Working Holiday Visa

Working Holiday Visa – Ankunft und die ersten Schritte in Kanada

Einreise und Immigration

Um das Working Holiday Visa schließlich ausgehändigt zu bekommen, sind bei der Einreise neben dem Port of Entry-Letter (POE) und dem Reisepass noch einige wichtige Unterlagen zur Einreise und Erteilung der Arbeitserlaubnis erforderlich. Auf den Seiten von Citizenship and Immigration findet man eine genaue Auflistung. Unter anderem nachweisen muss:

  • eine Krankenversicherung für die Dauer des Visums
  • einen bestimmten Betrag “Verfügungsgeld” (hier wird keine konkrete Angabe gemacht, im Internet sprich man von CAD 2.500 – nachgewiesen zum Beispiel durch einen Kontoauszug)
  • ein Rückflugticket oder entsprechendes Geld für ein Rückflugticket

So stand auch ich – typisch deutsch – bestens vorbereitet, alle benötigten Unterlagen in einer Dokumentenmappe gesammelt, am Schalter des Immigration Office und was wollte der Officer sehen? – Eigentlich nichts außer dem POE-Letter und meinen Reisepass. So ähnlich ging es all den anderen Leuten in der Schlange dort auch. Auch von sämtlichen später kennengelernten Leuten mit gleichem Visum hörte ich immer wieder das gleiche. Und dies betraf nicht nur den Flughafen Vancouver, auch Flughafen Toronto oder diverse Landgrenzen verfahren anscheinend gleich. Irgendwo in irgendeiner Facebook-Gruppe habe ich mal gelesen, dass jemand richtig überprüft wurde, das ist aber auch alles.

Anscheinend soll man das alles haben, ist aber dann doch wiederum nicht von Bedeutung. Ich möchte hier aber auf keinen Fall dazu animieren, ohne die Unterlagen einzureisen. Denn eigentlich sind die angeforderten Sachen alle sehr sinnvoll:

Eine Auslands-Krankenversicherung ist unverzichtbar. Da bei einigen Versicherungen auch die nachträgliche Verlängerung aus dem Ausland heraus nicht möglich ist, sollte man diese dann auch gleich wirklich für das Jahr oder den geplanten Zeitraum abschließen. Ist zwar viel Geld auf einen Schlag, aber während des Aufenthaltes sind die meisten Leute nicht wirklich solventer als vorher. Meine Auslandskrankenversicherung hat mir vor Vertragsabschluss auf Nachfrage bestätigt, dass sie den überschüssigen Beitrag nachträglich wieder erstatten, wenn ich vor Vertragsende zurückreise und dies z.B. durch meine Bordkarte nachweise.

Und mit einem Vermögen von unter $2.500 sollte man auch nicht einreisen. Das Leben kostet gerade in den ersten Wochen recht viel Geld, es dauert erfahrungsgemäß einige Zeit, bis genug Geld zum Leben reinkommt.

SIN – Social Insurance Number

Eines der heiligsten Dinge in Kanada ist die Social Insurance Number, kurz SIN. Die benötigst du, damit ein Arbeitgeber dich überhaupt einstellt, damit du ein Bankkonto eröffnen kannst, manchmal auch um einen Mobilfunkvertrag abzuschließen. Oft interessieren Arbeitgeber sich gar nicht für deine Arbeitserlaubnis, solange du diese Nummer hast. Denn sie impliziert, dass du legal im Land bist und arbeiten darfst. Die Beschaffung dieser Nummer ist somit eine Aufgabe, welche man sich in den ersten Tagen in Kanada vornehmen sollte. Viele Leute fühlen sich in den ersten Tagen nach der Einreise mit der neuen Lebenssituation und den vielen Eindrücken ein wenig überfordert und leiden unter dem Jetlag, da ist man durchaus froh, wenn man ein paar klare Aufgaben hat, die man abarbeiten kann.

Die Nummer bekommt man bei Service Canada Office (http://www.servicecanada.gc.ca/tbsc-fsco/sc-hme.jsp?lang=eng). Diese gibt es in nahezu jeder Stadt, ähnlich wie bei uns die Servicezentren oder Einwohnermeldeämter. Man benötigt den Reisepass, das Work Permit und ein bisschen Zeit. Auch hier kann ich wieder nur die positiv in Erinnerung gebliebene Erfahrungen mit kanadischen Behörden bestätigen. Vielleicht Zufall, ich glaube aber eher nicht. Alles sehr entspannt und freundlich. Wenn ich das mit meinen Besuchen in manchen deutschen oder österreichischen Behörden vergleiche…. Hier scheint man die Amtsautorität auch mit einer lockeren Art aufrecht erhalten zu können.

Bankkonto

Eine weitere Sache, die man in den ersten Tagen angehen kann und sollte, ist die Eröffnung eines Bankkontos. Ohne Konto kein Gehalt, Barauszahlungen sind nicht erlaubt. Wie in vielen Geschäftsbereichen sind auch die Banken ganz gut auf Personen mit dem Working Holiday Visa eingerichtet. Es handelt sich schließlich um interessante Kundengruppe. Dementsprechend haben fast alle gängigen Banken (befristet) kostenlose Kontenmodelle mit den üblichen Basisleistungen (Girokonto und Debit-Card). Diese Angebote ändern sich ständig. In Vancouver bietet es sich an, mal durch Downtown oder Gastown zu laufen und bei den Banken zu fragen. Irgendwas findet sich dort schnell.

Wer sich die Mühen machen möchte, kann natürlich auch auf die Suche nach Online-Banken machen, die oft noch bessere Konditionen haben. Ich persönlich habe diese Zeit lieber in qualitativ hochwertiges Leben investiert und die erstbeste Bank mit 6 Monaten kostenlosen Konto genommen.

Mobilfunkvertrag

Ohne Telefon geht nicht viel. Eine meiner ersten Erkenntnisse zu diesem Thema ist, dass wir in Deutschland sehr verwöhnt sich, was Preise und Flexibilität angeht. Prepaid-Optionen in der uns bekannten Form gibt es hier fast gar nicht. Wenn doch, dann kostet die Gesprächsminute bzw. SMS ein Vermögen und für eingehende Anrufe zahlt man das Gleiche. Wenn man sich auf Job- und Wohnungssuche befindet, macht also eigentlich kaum etwas anderes als ein “Monthly Plan” Sinn. Diese sind vergleichbar mit den deutschen Langzeitverträgen. Wenn man allerdings sein eigenes Telefon mitbringt, kann man bei den meisten Anbieteren täglich kündigen, was die Sache wiederum flexibel gestaltet.

Die Preise für diese Tarife belaufen sich je nach Freiminuten und Datenvolumen auf mindestens CAD40-50 pro Monat. SMS sind dann eigentlich immer unbegrenzt inklusive. Hört sich für den Mitteleuropäer eigentlich erst einmal total unrelevant an, ist es in Kanada aber nicht. WhatsApp hat sich hier lange nicht so durchgesetzt wie bei uns und so wird immer noch fleißig SMS geschrieben.

Ein weiteres wichtiges Detail ist, dass viele in Deutschland funktionstüchtige Smartphones und Mobiltelefone im nordamerikanischen Netz nicht funktionieren. Die mit dem Apfel funktionieren immer, die vom koreanischen Konkurrenten nur teilweise. Der Mobilfunkanbieter mit dem geringsten Standard ist auf jeden Fall Rogers (dazu gehört zum Beispiel auch Fido). Wenn der nicht funktioniert, dann funktioniert wahrscheinlich keiner. Wer also plant, sich vor dem Aufenthalt in Kanada noch ein Smartphone zu kaufen, sollte dieses Detail definitiv beachten. Entsprechende Tabellen zur Fähigkeit der Telefone gibt es im diesem Internet zu genüge.

Die Angebote der Mobilfunkbetreiber sind ebenfalls sehr dynamisch und ständig wechselnd. In Städten wie Vancouver sollte man einfach mal die Einkaufsmeilen durchlaufen und sich ein paar Angebote einholen.

Aber Vorsicht: auch hier im ansonsten aufrichtigen Kanada erfüllen die Mobilvertragverkäufer meiner Erfahrung nach leider die gleichen Klischees wie woanders auch. In mehreren Shops wurde mir mir das gelbe vom Ei herbeigelogen, wie sich im jeweils nächsten Shop wieder herausstellte. Manche Menschen werden halt ziemlich charakterlos wenn es ums Geldverdienen geht, egal in welchem Land.

Führerschein

Immer wieder liest man in Internetforen, dass man sich nach der Ankunft in Kanada als erstes einen Führerschein als Identifikationsmedium besorgen soll. Dies macht meiner Meinung nach unter gewissen Umständen Sinn, im Groben und Ganzen halte ich dies für Leute mit dem Working Holiday Visa allerdings nicht notwendig. Zum Hintergrund: In Kanada gibt es keinen Personalausweis oder eine ID-Card wie wir sie aus weiten Teilen Europas kennen. Und da im Reisepass keine Adressen stehen und dieser ohnehin unhandlich ist, hat sich in Kanada der Führerschein zu dem entwickelt, was der deutsche Personalausweis ist.

Wenn man dauerhaft in Kanada bleiben möchte, den Führerschein beruflich oder privat zum Fahren benötigt oder ständig einen Nachweis seiner Wohnadresse braucht, dann macht die Umschreibung durchaus Sinn. Mir persönlich ist der Aufwand zu groß. Man gibt den deutschen Führerschein ab und muss sich diesen in Deutschland später wieder neu ausstellen lassen. Um seine eigene Identität nachzuweisen, zum Beispiel beim Hostel-Check-In oder in einer Bar, wird der deutsche Personalausweis oder Führerschein eigentlich immer akzeptiert. Man möchte und sollte halt nicht immer den “wertvollen” und unhandlichen Reisepass mitführen.

Working Holiday Visa (WHV) – Was ist das?

Das Working Holiday Visa ist eine sehr gute Gelegenheit, Kanada ausführlicher kennen zu lernen. Zum einen bin ich Verfechter der These, dass man das wahre Leben in einem Land oder einer Stadt erst richtig kennenlernt, wenn man dort auch arbeitet. Zum anderen ist Kanada aus deutscher Sicht kein Billigland, einfach nur Urlaub machen und das Land erkunden ist auf Dauer ziemlich teuer. Mit dem Working Holiday Visa kann man als deutscher Staatsbürger ein Jahr lang in Kanada leben und in fast allen Berufszweigen arbeiten. Man muss (zumindest im Antragsverfahren) zwischen 18 und 35 Jahre alt sein.

Das Visum ist grundsätzlich mit den Work and Travel Visa von Australien und Neuseeland vergleichbar, nur tritt die Altersdiskriminierung für Deutsche hier erst mit 36 und nicht mit schon mit 31 ein, also das perfekte Land für Spätentschlossene. Achtung, die in diesem Text angewendeten Werte und Bedingungen sind grundsätzlich für deutsche Staatsangehörige. Das Visum gibt es für viele Staatsangehörigkeiten, die Bedingungen sind aber durchaus verschieden. So dürfen die Angehören aus dem erweiterten “British Commonwealth” (Australier, Briten, etc.) zum Beispiel zwei Jahre bleiben, dafür müssen sie sich aber bis zum 30 Lebenjahr bewerben. Tja, die Queen ist halt immer noch das Staatsoberhaupt Kanadas und mischt kräftig mit..

Bewerbung und Beantragung des Working Holiday Visa

Auf das Antragsverfahren möchte ich hier nur sehr kurz eingehen. Grundsätzlich ist es sehr gut auf den Seiten der kanadischen Regierung – Citizenship and Immigration (www.cic.gc.ca) erklärt. Es gliedert sich in mehrere Schritte:

  1. Werde Kandidat: Bewerbe dich um einen Platz im IEC-Pool (International Experience Canada). Dort lungert deine Bewerbung erst einmal für einen gewissen Zeitraum herum, regelmäßig werden aus diesem Pool per Losverfahren Visa vergeben. Wie groß die Chancen sind, kann man im Vorfeld nicht sagen. Dies hängt von der Anzahl der Bewerber und der Anzahl der freigegebenen Visa ab. Kann also einiges dauern bzw. kannst du dabei auch einfach leer ausgehen.
  2. Bewerbung um eine Arbeitserlaubnis: Solltest du einen Platz aus dem Pool und damit eine “Invitation to Apply” bekommen haben, dann schätze dich glücklich. Du musst zunächst die Einladung annehmen und hast dann 20 Tage Zeit, wichtige Unterlagen einzureichen. Achtung, einige Unterlagen musst du selber erst noch beantragen, was auch wieder Zeit benötigt. Also sei besser typisch deutsch und erldige die Sachen zeitnah.
  3. Erhalt des “Port of Entry (POE) Letter of Introduction”. Glückwunsch, mit diesem Brief kannst du dann nach Kanada einreisen und erhälst bei deiner Einreise im Immigration Office dein Visum mit Arbeitserlaubnis, wenn du gleichzeitig noch ein paar anderen Unterlagen vorlegst.