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Charaktervolle Abenteuer mit und ohne Rad.

Kategorie: Allgemein

Radweg Berlin – Leipzig – Ein Reisebericht

“Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.” Goethe hat es seinerzeit schon ganz gut auf den Punkt gebracht. Und so sollte die erste kleine Radreise des Jahres mal nicht in weiter Ferne, sondern direkt vor der Haustür in Berlin starten. Oft genug wird man bei der Fahrt durch den berliner Park am Gleisdreieck an den beginnenden Radweg Berlin – Leipzig erinnert und so sollte dieser Ostern 2017 die persönliche Radtourensaison eröffnen.

In Berlin selbst wird bis zur Stadtgrenze derzeit noch auf die Nutzung des Berliner Mauerradweges verwiesen, da die entscheidenden Bauarbeiten für die geplante Strecke entlang Gleisdreickpark, Naturpark Schöneberger Südgelände, Lankwitz und Lichtenrade noch nicht fertiggestellt sein sollen (Stand April 2017). Mit ein bisschen Geschick, findet man trotzdem schnell einen entspannten Weg raus aus der Stadt.

Von der Stadtgrenze Berlin bis nach Wittenberg (ca. 120 km)

Mit dem Übergang von Berlin nach Brandenburg beginnt ein sehr gut ausgebauter und ausgeschilderter Fernradweg. Anfangs verläuft die Wegführung häufiger entlang der Bundesstraße, dann ist aber stets ein getrennter Radweg verfügbar. Später geht sie immer mehr über Dörfer und über wenig befahrene Landstraßen. Dort muss man teilweise die Straße nutzen, was aber aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens in Ordnung ist. Wenn man die Großstadt Berlin erst einmal hinter sich gelassen hat, tritt gefühlt mit jedem Kilometer mehr und mehr eine Entschleunigung ein. Die Dörfer und Kleinstädte, mit ihren schmucken Ortskernen, haben immer größere Abstände zueinander. Menschen und Verkehr strahlen, im Gegensatz zur Hauptstadt, eine entspannte Ruhe aus, ideal zum Runterkommen und Durchatmen.

Skate-Region Fläming

Umso mehr wir uns der Stadt Jüterborg nähern, umso besser werden noch einmal die Radwege. Gut asphaltierte und komplett autofreie Wege führen durch Wiesen und Wälder, fernab von sämtlichen Straßen. Der Grund: Fläming Skate! In einem großen Radius rund um die Stadt Jüterborg wurde ein sehr umfangreiches Streckennetz für Inlineskater angelegt, welches gleichzeitig auch von Radfahrern und Fußgängern genutzt wird. Durch die strikte Trennung vom Autoverkehr, fährt man hier seelenruhig und ultraleicht durch die herrliche Landschaft. Da schlägt das Radlerherz sofort höher und man nimmt den Mehrweg durch die kurvenreichen Strecken gerne in Kauf.

Lutherstadt Wittenberg

Wittenberg bietet sich wunderbar als Übernachtungsstadt an. Unterkünfte gibt es reichlich und in jeder Preislage. Die historisch sehr bedeutsame Innenstadt lädt, gerade im Lutherjahr 2017, zum Abendspaziergang ein, es gibt zahlreiche Restaurants und Cafés. Auf Radtouristen ist man hier sehr gut vorbereitet, denn Wittenberg wird, neben dem Radweg Berlin – Leipzig, auch noch vom Elberadweg durchkreuzt. Wer hier nicht übernachten möchte, hat die Möglichkeit, sein Reiserad samt Gepäck in einer der kostenlos verfügbaren Fahrradboxen für die Dauer der Stadterkundung einzuschließen (siehe Foto). Das nenne ich mal eine super Lösung.

Von der Lutherstadt Wittenberg bis nach Leipzig (ca. 90 km)

Man verlässt Wittenberg über die Elbe in Richtung Kemberg. Nachdem man vorher bereits ein Stück entlang des schönen Bergwitzsees gefahren ist, beginnt hinter Kemberg ein sehr schönes Heide- und Waldgebiet, der Naturpark Dübener Heide. Hier macht der Radweg Berlin Leipzig bewusst auf kurvenreichen Strecken einige Umwege, die sich aufgrund des Naturerlebnisses jedoch sehr lohnen. Wer möchte, kann hier auch gut abkürzen und sich einige Kilometer sparen, verpasst dann allerdings auch ein wenig Natur.

Von Bad Schmiedeberg bis nach Bad Düben führt der Weg durch Wälder, größtenteils über unbefestigte Waldwege. Es kommen auch noch ein paar Steigungen und Gefällstücke hinzu. Insgesamt wird es somit technisch und konditionell anspruchsvoller als auf dem Stück zwischen Berlin und Wittenberg, man braucht allerdings kein Profi zu sein, um auch diesen Teil meistern zu können. Nach Bad Düben verlässt man den Wald und fährt über Dörfer bis nach Leipzig. Das Höhenprofil bleibt ein bisschen wellig, lässt sich aber auch mit wenigen Gängen weiterhin gut fahren.

Die Einfahrt in Leipzig ist sehr schön gestaltet. Bis 9 km vor dem eigentlichen Ende des Radfernweges am Hauptbahnhof merkt man noch nicht einmal, dass sich eine Großstadt nähert. Dann führt die Wegführung über kleine Seitenstraßen und Parks fast bis ins Zentrum, die großen Straßen werden bis 2 km vorm Ziel komplett gemieden. Sehr schön gemacht.

Fazit

Der Radweg Berlin – Leipzig ist ein wunderbar und vor allem durchdacht angelegter Fernradweg und bereitet Freude beim Fahren. Viele schöne Orte in der Region werden miteinander verbunden, die Natur wird bestens eingebunden. Wo möglich, werden autofreie Strecken genutzt. Wenn doch Autostraßen genutzt werden, dann sind diese meist wenig befahren und ruhig. Für mich ist der Radweg entweder ein gutes Zwischenstück einer langen Radreise oder der perfekte Wochenendausflug für Leute aus den beiden Städten. Die Rückfahrt mit der Bahn ist relativ günstig und ohne Reservierungen mit den Regionalbahnen möglich.

GPS-Daten und weitere Infos

Es gibt eine eigene Website zum Radweg (http://www.radweg-berlin-leipzig.de). Dort findet man gute Beschreibungen, weitere Informationen und vor allen Dingen kostenfreie GPS-Daten. Bikeline hängt diese Strecke an den Elster-Radweg an und bezieht sie in das gleichnamige Buch mit ein.

Unsere Reise ging anschließend noch nach Dresden weiter, dazu demnächst in einem weiteren Beitrag mehr…

Radfahren in Vancouver

 

Kopenhagen, Amsterdam, Vancouver, Portland,… – Immer wieder fällt der Name Vancouver, wenn es um Städte mit einer guten und sicheren Infrastruktur für Radfahrer geht. Es wird von den vorbildlichen Veränderungen gesprochen, welche die Stadt in Bezug auf die Sicherheit, das Wohlbefinden und den Verkehrsfluss des Radverkehrs in den letzten Jahren vorgenommen hat. Doch ist Vancouver aus der Sicht der Radfahrer wirklich so gut, wie es immer beschrieben wird? Nun ja, durch meinen mehrmonatigen Aufenthalt in dieser wunderbaren Metropole hatte ich als überzeugter Stadtradler die Möglichkeit, dies alles intensiv unter die Lupe zu nehmen.

Was grundsätzlich total überzeugt, ist der Wille der lokalen Regierungen, eine Fahrradstadt/-region zu sein bzw. zu werden. Angetrieben vom Vorhaben, im Jahr 2020 die grünste Stadt der Welt zu sein, wurde in den letzten Jahren ununterbrochen in eine Infrastruktur investiert, welche das Auto verzichtbar machen soll. Und dies in Nordamerika, wo das Auto in der Mentalität der Bevölkerung zumeist alternativlos das Verkehrsmittel Nummer eins ist.

Den Willen zur Veränderung erkennt man selbst als Laie an vielen kleinen Details sehr schnell. In den letzten Jahren gab es einige, für Autofahrer schmerzhafte, Veränderungen in der Stadt, welche den lokalen Regierungen auch durchaus Stimmen gekostet haben. Eine der umstrittensten Entscheidungen in diesem Zusammenhang war der Umbau der Burrard Bridge im Jahr 2009. Seinerzeit wurde eine Kfz-Fahrspur stadtauswärts entfernt und durch geschütze Radwege in beide Richtungen ersetzt. Die Zahl der Radfahrer stieg schlagartig. Waren es vor dem Umbau quasie null, erreichte man 2015 den 1.000.000sten Radfahrer des Jahres bereits im August.

Und die Umbaumaßnahmen dauern an. In dem halben Jahr, das ich in der Stadt verbracht habe, wurden weiter Autofahrspuren in baulich abgetrennte Radwege umgewandelt.

Die (versteckte) Hauptachsen des Radverkehrs – Der Adanac Bike Trail

Wenn man sich die Hauptstraßen der Stadt zunächst anschaut, weil man zum Beispiel mit dem Auto oder Bus unterwegs ist, wird man sehr schnell der Meinung sein, dass sicheres Radfahren in dieser Stadt bestimmt nicht möglich ist. Aber der Schein trügt. Man hat auf diesen Routen gar nicht erst versucht, die Radfahrer zu integrieren. Stattdessen wurden die Hauptachsen des Radverkehrs einfach ein paar Blöcke entfernt von den Hauptstraßen des Kraftverkehrs angelegt. Die für nordamerikanische Städte typische Schachbrettstruktur macht dies sehr einfach möglich.

Im Video oben sieht man, außerhalb von Vancouver-Downtown, fast ausschließlich den Adanac Bike Trail. Dieser verbindet sämtliche östliche Stadtteile mit dem Stadtzentrum und verläuft meist ca. 5 Blöcke südlich der Hastings Street, dem Pendant für Autos und Busse. Auf dem Adanac Bike Trail genießt man entspannte Ruhe und Kfz-Armut. Auch wenn man im Video noch viele parkende Autos sieht, gefahren wird hier sehr wenig und wenn, dann eigentlich sehr langsam und rücksichtsvoll. Der Grund: Spätestens nach drei Blöcken ist die Durchfahrt für Autos blockiert, für Fahrräder nicht. Weiterhin ist der Verkehr auf dem Adanac Trail vorfahrtsberechtigt, mit Ausnahme der zu querenden Hauptstraßen. Dort sorgen jedoch bedarfsgesteuerte Ampeln für die sichere Querung.

Die Motivation, mich mit dem Fahrrad zur Arbeit zu bewegen, war für mich bei so einer fahrradfreundlichen Infrastruktur enorm hoch. Auch zeitlich benötigte ich für die ca. 5 km stadteinwärts die gleiche Zeit, die der Express-Bus benötigte. Was möchte das Radfahrerherz mehr?

Weitere Berichte zum Radfahren in Vancouver und zu den einzelnen Veränderungen werden folgen…

 

Radreisen in Rumänien – Eine nachhaltige Erfahrung

Rumänien – was weiß ich eigentlich über dieses Land? Eigentlich nicht viel. Lange Zeit war Rumänien für mich immer mit dem Begriff Armut verknüpft. Ich erinnere mich daran, dass mein Onkel in den 90er Jahren ehrenamtlich Transporte von Hilfsgütern nach Rumänien begleitet hat. Das muss kurz nach dem Fall des Ostblocks gewesen sein. Andererseits weiß ich, dass Rumänien mittlerweile ein Mitglied der EU ist, was für gegenteilige Entwicklung spräche . Außerdem habe ich in meinem bisherigen Arbeitsleben vereinzelt Leute aus Rumänien kennengelernt. Einer davon wollte jedoch auf keinen Fall, dass seine Herkunft ans Tageslicht kommt. Er gab sich indes lieber als Italiener aus, den Grund verstand ich nie so recht.

Unsere Route

So ergab sich für uns im September 2015 die Gelegenheit, Rumänien auf unserer Radreise nach Istanbul zu durchfahren. Unsere Route ließ uns über den Staudamm und Grenzübergang “Eisernes Tor I” bei Drobeta-Turnu Severin in Rumänien ankommen. Kurz danach haben wir erstmals auf der Tour den Donauradweg verlassen. Auf wenig befahrenen Landstraßen ging es fernab von allen touristischen Reiserouten über Craiova in die Hauptstadt Bukarest (ca. 375 km). Nach einem Ruhetag dort ging es erneut quer durchs Land nach Călărași (ca. 120 km), von wo aus wir Rumänien mit der Donaufähre nach Bulgarien verließen.

Persönliche Eindrücke

Die Eindrücke während unserer Fahrt durch Rumänien waren sehr vielfältig, teilweise forderten sie uns sehr. Kaum ein anderes Land auf der gesamten Tour hinterließ bei mir solch einen nachhaltigen Eindruck, in positiver wie negativer Richtung. Die ersten ca. 250 km hinter Drobeta-Turnu Severin führte uns unsere Route fast ausschließlich durch ländliche Regionen über sehr ärmlich wirkende Dörfer. “Ärmlich” ist natürlich ein sehr schwer zu definierender Begriff, zumal für mich materieller Reichtum nur bedingt bzw. nur bis zu einem gewissen Grad mit dem Glücksempfinden korreliert.

Aber zunächst einmal nur die materielle Situation: Hier wirkte die Region für europäische Verhältnisse in der Tat auf mich sehr ärmlich. Vieles deutet darauf hin, dass hier kaum jemand Erwerbsarbeit nachgeht, Selbstversorgung auf den eigenen Grundstücken steht wesentlich mehr im Fokus. Viele Leute haben einen Garten und ein paar einzelne Nutztiere. Man sieht Menschen, die mit ihrer Kuh am Straßenrand spazieren gehen, damit das Vieh dort Gras bekommt. Die Straßen sind immer wieder unbefestigt, selbst wenn sie auf der Karte auf eine gewisse Wichtigkeit hinweisen. Autos, in unserer Kultur (leider) das Zeichen für materiellen Wohlstand, gibt es hier verhältnismäßig wenig. Stattdessen sind viele Leute mit Pferdekutschen unterwegs.

Interessanter als die materielle, finde ich jedoch die emotionale Ebene. Es gibt viele Länder, in denen die Einwohner ihre materielle Armut durch pure Lebensfreude kompensieren. Diese war für uns in Rumänien allerdings nicht wirklich erkennbar. Auf den Dörfern saßen, wie in einigen anderen Ländern unserer Radtour auch, viele Leute vor ihren Häusern. Aber im Gegensatz zu den anderen redeten die Leute fast nie miteinander oder mit anderen. Auch wurden wir, in Verhältnis zu den anderen Ländern, kaum gegrüßt oder willkommen geheißen, wenn wir als offensichtliche “Fremde” die Dörfer durchfuhren. Stattdessen drückten die Gesichter der Menschen Verschlossenheit und Scheu auf aus. Als wir einmal an einem kleinen Dorfladen Rast machten und ein bisschen in unserer geselligen Runde lachten , erteilte uns ein dort sitzender Mann unmissverständlich ein Verbot, zu lachen und laut zu sein. Das saß!

Sehr schwer zu sagen, warum dieses Verhalten in Rumänien so anders ist als im Rest Osteuropas. Vielleicht liegt nach Jahren von Sozialismus und Diktatur immer noch eine Atmosphäre des Misstrauens über den Menschen, vielleicht ist es auch eine Art Verhaltenheit vor dem Unbekannten. Eine wirklich Antwort ist, auch aufgrund der Sprachbarrieren, für uns nur schwer zu finden.

Gastfreundschaft

Aber auch das Gegenteil, absolute Offenheit und Gastfreundschaft, durften wir in Rumänien erleben. Als wir eines Abends bei Dunkelheit und beginnendem Regen in einem kleinem Dorf kurz stoppten, wurden wir von einem dort sitzenden Mann hilfsbereit angesprochen. Da wir keine sprachliche Gemeinsamkeiten hatten, rief er kurzerhand einen Freund an, welcher umgehend aus dem Nachbarhaus zu uns kam und ein wenig französisch sprach. Nachdem wir ihm auf seine Nachfrage hin mitteilten, dass wir aus Deutschland kommen, nahm er uns spontan bei sich auf. Er bat uns sein Zimmer an, schlief stattdessen in einem anderen. Er tischte uns selbstlos sämtliches Obst und Gemüse aus seinem Garten auf und zeigte uns ganz viele Fotos. Fotografie war seine Leidenschaft. Er hatte sichtlich Freude daran, uns zu bewirten, zu beherbergen, sich mit uns zu unterhalten, uns sein Leben zu zeigen…

Auch ein paar weitere Male wurden wir angesprochen, ob man uns weiterhelfen könne. Zunächst wirkten die lauten Worte eher bedrohend, einmal standen wir kurz vor einer “Flucht” aus der Situation, da uns die Worte zu laut und die Distanz zu deutlich zu klein wurde. Lässt man sich aber auf diese ungewohnt geringe Distanz ein, merkt man sehr zügig, dass das alles nett gemeint ist. Die rumänische Kommunikationskultur ist definitiv anders als unsere. Sie wirkt abschreckend auf uns, es ist aber selten so gemeint.

Rumänisches Selbstbewusstsein

Was uns nach einiger Zeit in Rumänien wiederholt auffiel, war ein scheinbar nicht vorhandenes Selbstbewusstsein und die Identifikation mit seinem eigenen Land. Es war für einige Leute kaum nachvollziehbar, was drei Radfahrer aus Deutschland dazu bewegt, ausgerechnet durch Rumänien zu fahren. Sie allesamt fanden ihr Land überhaupt nicht toll und keinesfalls bereisenswert.

“Where are you from?”
“Germany.”
“Why?”
oder “But why Romania?”

In diesem Zusammenhang verstehe ich auch immer mehr, warum mein damaliger rumänischer Arbeitskollege eine andere Nationalität vortäuschte.

Hinweise und Tipps für Radreisen nach Rumänien

Das Radfahren in Rumänien war größtenteils entspannt. Auf unserer Route konnten wir die großen Hauptstraßen meiden. Auf den anderen Straßen herrschte ein erstaunlich respektvolles Miteinander. In einigen Regionen gibt es nur wenig Autos und die fahren dann meist rücksichtsvoll. Andererseits gibt es wie beschrieben noch viele Pferdekutschen. Als Radfahrer ist man somit häufiger mal in der Position des Überholenden, ungewohnt aber sehr angenehm. Auch die Einfahrt in die Hauptstadt Bukarest, welche wir nach unseren vorherigen Erfahrungen in Belgrad ein wenig gefürchtet hatten, war erstaunlich angenehm, obwohl die Radinfrastruktur dort kaum ausgebaut ist.

Sich unterwegs zu verpflegen, war nicht schwer. Nahezu jedes kleine Dorf hat einen eigenen Lebensmittelmarkt à la Tante Emma. Dort bekommt man immer Wasser und die notwendigsten Lebensmittel. Was man auf den Dörfern aber fast nie bekommt ist Milch, man hat schließlich seine eigene Kuh.

Restaurants und Hotels findet man nur in den größeren Städten, dazwischen können schon mal lange Distanzen sein. Ausrüstung zum autarken Übernachten ist definitiv empfehlenswert. Ebenso sollte man einen guten Fundus an Ersatzteilen dabei haben. Fahrradläden gibt es ebenfalls nur in den größeren Städten.

Bildergalerie

Serbien – ein unterschätztes (Rad)Reiseland?

Ich muss zugeben, an dieses Land habe ich bisher in Bezug auf das Reisen vorher noch nie gedacht und es stand nie wirklich in meinem Fokus. Serbien, da denke ich natürlich sehr schnell an die mir noch präsenten Jugoslawienkriege der 90er Jahre, manchmal auch an Fußball und nicht zuletzt an all die netten Menschen aus Serbien, die ich im Laufe meines Berufslebens kennengelernt habe.

Aber Serbien als Reiseland, besser noch Radreiseland? Durch die Lage an der Donau bat es sich uns freilich als radtouristisches Transitland auf unserer Radreise nach Istanbul an. Und, so viel sei hier bereits verraten, es ist absolut mehr als ein Transitland.

So reisten wir mehr oder wenig erwartungsfrei nach Serbien ein. Klar, materiellen Reichtum haben wir dort auf keinen Fall erwartet. Aber wie leben die Menschen dort, was strahlen sie aus, wofür stehen sie? In Kroatien sind wir einige Tage zuvor immer wieder mit den Kriegsfolgen konfrontiert worden. Wie stark lasten die Kriege der (nahen) Vergangenheit den Menschen dort nach?

Von Anfang an erlebten wir eine enorme Offenheit und Freundlichkeit der Menschen. Wir hatten nie das Gefühl, ein Fremdkörper in diesem Land zu sein. Klar, fielen wir mit unserem voll bepackten Fahrrädern sehr schnell auf. Das äußerte sich zumeist aber einfach darin, dass uns die Leute vom Straßenrand oder aus ihren Gärten heraus herzlich und ehrlich grüßten. “Welcome to Serbia!”. Blieben wir in einem der unzähligen kleinen Dörfern stehen, wurden  wir häufig angesprochen. Viele Leute sprechen Deutsch, häufig weil sie auch einen Bezug zu Deutschland haben, dort vielleicht sogar mal einige Zeit gelebt haben. Englisch wird noch nicht so lange unterrichtet und ist deshalb vorwiegend unter den jüngeren Leuten verbreitet. Ungebrochen war aber der Wunsch uns mitzuteilen, dass wir als Touristen hier sehr willkommen sind und uns wohlfühlen sollen.

Die serbische Bevölkerung hat ähnlich wie die kroatische einen großen Nationalstolz. Man mag sein eigenes Land und steht zu seiner Herkunft. Bei den vielen Hochzeitsgesellschaften, die wir an Wochenendtagen gesehen haben, liefen stets Leute mit der National- und Regionalflagge vorweg. Aufgrund meiner Herkunft wirkt der Gedanke echt komisch. Die Vorstellung, dass bei meiner Hochzeit jemand mit einer Deutschland- und NRW-Fahne vor mir herläuft, finde ich äußerst befremdlich.

Feiern, Musik und Schnaps

Die serbische Gastfreundlichkeit haben wir auch immer wieder in flüssiger Form dargelegt bekommen. Mit war vorher nicht wirklich bewusst, dass das deutschsprachige Wort “Schnaps” so ein Exportschlager ist. “Živeli”, auf das Leben, Prost! Nachdem wir einer campierenden Anglergruppe nach ihrem Batterieaus mit ordentlich (Wo)menpower das Auto wieder ans Laufen gebracht haben, wurden wir aus Dankbarkeit zu einem der Angler nach Hause eingeladen. Sein Haus lag sowieso auf unserem Weg. Anderthalb Stunden später waren wir vor lauter Bier und Schnaps nur noch schwer in der Lage, weiterzufahren. Živeli!

Ein weiteres kulturelles Highlight, durch das gesamte Land hinweg, ist die selbstgemachte Musik nach Balkanart. Gitarre, Mandoline, Kontrabass und Akkordeon und die Sache läuft. Keine Feier ohne ordentliche Musik. Und wenn man im Restaurant mal musikalische Unterhaltung an seinem Tisch möchte, dann schmeißt man seine Dinar nicht in eine Jukebox, sondern in die Hemdtasche der Musiker und ab geht die Tischparty. Herrlich und vor allem ehrlich!

Belgrad

Als Landeshauptstadt ist Belgrad ein wunderbares Reiseziel. Für mich ist die Stadt ein Geheimtipp unter den europäischen Metropolen. Man spürt sehr deutlich, wie diese Stadt im Aufbruch ist und sich entwickelt. Architektonisch jedoch sieht man gerade außerhalb des historischen Stadtzentrums, wie auch im übrigen Land, noch sehr deutlich den Einfluss der sozialistischen Ära. Vieles wirkt aus unserer mitteleuropäischen Sicht ein wenig marode. Dies spiegelt für mich aber auf keinen Fall die Mentalität der Menschen in Belgrad wieder. Belgrad scheint vielmehr eine aufstrebende Kunst- und Kulturszene zu haben. Es gibt viele kleine nette lebendige Cafés und Bars, die authentisch und nicht touristisch überlaufen sind.

Belgrad Donau Donauradweg Serbien Radreise Radreisen

Belgrad bei Nacht

Was im Großraum Belgrad nicht so toll ist, ist der fehlende Respekt der Autofahrer gegenüber Radfahrern. Die Einfahrt nach Belgrad in der beginnenden Dunkelheit war leider eine der gefährlichsten Momente auf der gesamten Reise zwischen Wien und Istanbul. In den ländlichen Gebieten Serbiens haben wir als Radfahrer wesentlich mehr Respekt genossen.

Lies auch hier: Der Donauradweg in Serbien

Donaufähre zwischen Stara Palanka und Ram

Donauradweg - Fahrt durch Patrovaradin

Donauradweg im Eisernen Tor

Schnapsbrennen in Serbien

Festung Patrovaradin und im Kosovokrieg zerstörte Brücke in Novi Sad

Donauradweg - Fahrt durch Patrovaradin

Donaudeich

Biospährenreservat zwischen Donaudeich und Donau

Biospährenreservat zwischen Donaudeich und Donau

Donaudeich zwischen Novi Sad und und Belgrad

Campingplatz-Abort

Campingplatz bei Raj

Fahrt über die Staumauer Eisernes Tor 1 - Grenzübergang Serbien - Rumänien

Handarbeit beim Anlegen der Donaufähre in Stara Palanka

Panoramablick auf die Donau bei Ram

Donauradweg über ruhige Straßen in Serbien

Engstelle im Eisernen Tor

Die Donau im Eisernen Tor

Der Donauradweg in Serbien

Neben ein paar anderen europäischen Fernradwegen führt auch der Donauradweg durch Serbien. Im mittleren Teil sind die beiden Ufer der Donau serbisch. Der im nordwesten flussaufwärts gelegene Teil stellt die Landesgrenze zu Kroatien dar, der flussabwärts gelegene östliche Teil der Donau ist gleichzeitig die Landesgrenze zu Rumänien. An den Landesgrenzen lässt sich der Donauradweg immer in jeweils beiden Ländern fahren.

Serbischer Donauradweg Teil 1: Von Bačka Palanka nach Belgrad

Vom kroatischen Iloc ging es für uns über die Donaubrücke hinein nach Serbien, in die Kleinstadt Bačka Palanka, welche auch die deutsche Bezeichnung Plankenburg trägt. Die Stadt bietet sich als Übernachtungsort an, es gibt ein paar Unterkünfte, eine kleine Markthalle und auch sonst ist einiges an Infrastruktur vorhanden.

Weiter geht es flussabwärts in Richtung Belgrad. Die Landschaft ist eher flach und weitläufig, eine Mischung zwischen kleinen Biosphären und landwirtschaftlichen Nutzflächen. Häufig führt der Weg befestigt und unbefestigt über den Deich, immer wieder auch durch kleine Dörfer.

Durchfahren wird auch die Stadt Novi Sad. Hier lohnt es sich auf jeden Fall, den über den Donaudeich verlaufenden Radweg zu verlassen und die Stadt zu erkunden. Ein idyllisches und historisches Städtchen. An der Donau lassen sich wieder einmal sehr deutlich die Spuren des Kosovo-Krieges sehen. Alte Brückenpfeiler einer 1999 durch Nato-Angriffe zerstörten Donaubrücke zwischen Novi Sad und Petrovaradin ragen immer noch aus dem Wasser. Es lässt sich hier wieder einmal deutlich sehen, dass der Frieden in Europa einfach nicht selbstverständlich ist, wenn man bedenkt, dass diese Zeit noch nicht einmal 20 Jahre her ist. Sehr imposant erscheint zudem die auf der anderen Flussseite gelegene Festung Patrovaradin.

Im Weiteren verläuft der Donauradweg über wenig befahrene Straßen in Richtung Belgrad. Kurz vor Belgrad bieten sich zwischen den Orten Batajnica und Zemun leider wenig Alternativen zu einer viel befahrenen Hauptstraße ohne Radweg. Für mich, bei beginnender Dunkelheit, leider eine sehr gefährliche Strecke.

serbischer Donauradweg Teil 2: Von Belgrad bis zum Kraftwerk “Eisernes Tor 1”

Von Belgrad aus verläuft der Donauradweg auf der nördlichen Seite in Richtung Rumänien und Bulgarien. Die ersten ca. 100 km unterscheiden sich landschaftlich kaum von der Strecke vor Belgrad. Flache, weitläufige Landschaften mit unberührt wirkenden Biosphären zwischen Deich und Donau. Ansonsten gibt es wenig Reize, alles wirkt entschleunigend. Perfekt, um seinen Rhythmus auf dem Rad zu finden.

Nach den o.g. 100 km geht die Donau auf ihrer in Flussrichtung linken Seite kurz hinter dem Ort Stara Palanka nach Rumänien über. So wie es die offizielle Route vorsieht, haben wir an dieser Stelle mit einer wunderschönen und etwas längeren Fährüberfahrt die Seite der Donau gewechselt, um noch eine Weile in Serbien zu bleiben.

Ab hier beginnt der für mich landschaftlich schönste Teil der Donau, das Eiserne Tor. Dieser Begriff bezeichnet das gesamte Durchbruchstal der Donau durch die südlichen Karpaten. Durch das Wasserkraftwerk “Eisernes Tor 1” am Ende des Durchbruchstals ist die Donau zusätzlich zu ihrer natürlichen Breite und Tiefe noch weiter aufgestaut und wirkt aufgrund des verlangsamten Wasserflusses zwischen den schroffen Felswänden eher wie ein See oder Fjord als wie ein Fluss. Eine absolut imposante Landschaft mit einer gewissen Ähnlichkeit zum nördlichen Gardasee.

Der Donauradweg verläuft im Eisernen Tor fast ausschließlich auf der einzigen Straße, welche sich zwischen Berg und Donau befindet. Da hier aber überwiegend Touristen unterwegs sind, ist der Autoverkehr relativ entschleunigt und rücksichtsvoll. Von der Topografie her, ist der Radweg hier nun nicht mehr ausschließlich flach. Er lässt sich aber auch mit viel Gepäck weiterhin gut bewältigen, wenn man sich die entsprechende Ruhe und Gelassenheit in den Aufstiegen gönnt.
Ca. 150 km nach der Fährüberfahrt von Stara Palanka nach Ram erreicht man das Wasserkraftwerk Eisernes Tor 1 mit seiner gewaltigen Staumauer. Ein sehr imposantes Bauwerk, welches wir für den Grenzübergang nach Rumänien nutzten.

Lies auch hier: Serbien, ein unterschätztes (Rad)Reiseland?

Donaufähre zwischen Stara Palanka und Ram

Donauradweg - Fahrt durch Patrovaradin

Donauradweg im Eisernen Tor

Schnapsbrennen in Serbien

Festung Patrovaradin und im Kosovokrieg zerstörte Brücke in Novi Sad

Donauradweg - Fahrt durch Patrovaradin

Donaudeich

Biospährenreservat zwischen Donaudeich und Donau

Biospährenreservat zwischen Donaudeich und Donau

Donaudeich zwischen Novi Sad und und Belgrad

Campingplatz-Abort

Campingplatz bei Raj

Fahrt über die Staumauer Eisernes Tor 1 - Grenzübergang Serbien - Rumänien

Handarbeit beim Anlegen der Donaufähre in Stara Palanka

Panoramablick auf die Donau bei Ram

Donauradweg über ruhige Straßen in Serbien

Engstelle im Eisernen Tor

Die Donau im Eisernen Tor

Jobsuche in Vancouver und Kanada

Frisch mit dem Working Holiday Visa in Kanada angekommen stellt sich früher oder später die Frage: Wie komme ich an einen Job?” Die meisten Leute werden nicht so viel Geld mitbringen, dass sie es ein Jahr lang ohne Arbeit schaffen. Außerdem kann man das Leben in einem Land und eine Stadt meiner Ansicht nach wesentlich authentischer und umfangreicher kennenlernen, wenn man dort auch arbeitet. Arbeit spielt nunmal in unserer Gesellschaft eine nicht unerhebliche Rolle, als Teil der persönlichen Identität vielleicht sogar oft eine zu große.

Unterschiede zwischen kanadischem und deutschem Arbeitsleben

Einer der wohl markantesten Unterschiede zwischen diesen beiden Arbeitswelten ist die Schnelllebigkeit, welche in Kanada deutlich stärker ausgeprägt ist. Gerade die Bereiche, in denen Leute mit dem Working Holiday Visa arbeiten, sind von hoher Fluktuation geprägt. Bleibt ja auch nicht aus, wenn man insgesamt nur ein Jahr im Land ist, in dieser Zeit in einer Metropole, einem Skigebiet und auf einer Farm arbeiten möchte, während dazwischen noch ausgiebige Roadtrips angesagt sind.

Die allgemein übliche Kündigungsfrist beträgt 2 Wochen zu irgendeinem Tag deiner Wahl. Es kommt allerdings auch häufig vor, dass Leute von einem auf den anderen Tag nicht mehr zum Dienst erscheinen, manchmal geben sie zumindest Bescheid, manchmal auch nicht. Arbeitsverträge, in der Form wie wir sie verpflichtend aus Deutschland kennen, gibt es in Kanada auch selten. Man füllt einen Personalbogen mit ein paar Formalitäten wie SIN-Nummer (LINK) und Bankverbindung aus und los gehts.

Ein anderer großer Unterschied zwischen dem deutschen und dem kanadischen WHV-Arbeitsmarkt sind die Erwartungen, die an die Qualität der Arbeit gestellt werden. In den typischen Arbeitsbereichen für Leute mit dem Working Holiday Visa kommen Menschen aus der ganzen Welt zusammen. Den Deutschen eilt im Ausland bekanntlich bezüglich ihrer Arbeitsmoral und -qualität mit der German Efficiency” ein guter Ruf voraus (dafür haben wir ausgleichsweise halt nicht immer so viel Spaß im und am Leben), der sich im internationalen Vergleich in der Tat häufig bewahrheitet. Dementsprechend gering sind die Erwartungen seitens der Arbeitgeber, was an sich total entspannt ist. Wenn man mit einer typisch deutschen Arbeitseinstellung einen Job antritt, kommt man in der Regel gut zurecht, im Gegenzug muss man die Erwartungen an Arbeitgeber und Kollegen aber auch senken und über diverse Sachen hinwegsehen. Ansonsten versetzt man sich selbst in unnötigen Stress.

Typische Jobs für Leute mit Working Holiday Visa

Die meisten Jobs gibt es ganz klar im Dienstleistungssektor. Die klassischen Stellen sind in der Gastronomie, in der Hotellerie (vor allem Housekeeping), in touristischen Verleihgeschäften (Skiverleih, Radverleih,…), im Garten- und Landschaftsbau oder auch im Baugewerbe. In den letzten beiden ist die Vergütung verhältnismäßig gut, in vielen anderen Branchen darf man allerdings nicht viel mehr als den gesetzlichen Mindestlohn erwarten. Dieser wird von den Provinzen bestimmt, in Britsh-Columbia beträgt er bespielsweise aktuell $10,45.

Während für Stellen im Baugewerbe und im GALA-Bau das Geschlecht gar nicht so die große Rolle spielt, wird in den Bars sehr sexistisch eingestellt. So sieht man beispielsweise in Vancouver Downtown und Gastown kaum männliche Server, stattdessen werden hier lieber Kellnerinnen eingestellt, die knapp bekleidet manchmal kaum von einer Gogo-Tänzerin zu unterscheiden sind. Trinkgeld ist der entscheidende Teil des Lohnes, da bringt die Kellnerin mit dem großen Ausschnitt halt mehr ein als der steife Typ im Hemd. Andersherum sieht man in den entsprechenden Bars auch kaum weibliche Barkeeper. Sexistische Kackscheiße!

Wo sucht man nach Jobs?

Die ultimative Lösung für alle Jobsuchen heißt “Craigslist”. Dies ist eine werbefreie online Plattform, zu vergleichen mit den Jobbörsen von Arbeitsagentur und lokalen Tagezeitungen, nur dass sie gleichzeitig auch noch Ebay-Kleinanzeigen und WG-gesucht ersetzt. In Vancouver und anderen großen Städten merkt man auf Craigslist sehr zügig, wie schnelllebig der Arbeitsmarkt ist. Unzählige Jobangebote pro Tag, häufig soll man einfach direkt mit seinem seinem Lebenslauf, dem Resume, vorbeikommen und nicht erst die Bewerbung langwierig einreichen.

Desweiteren gibt es einige Personalagenturen, welche arbeitswillige Menschen sehr zügig und auch tageweise in Arbeit vermitteln (in Vancouver zum Beispiel Angus One). In der Regel ist man dann bei den Agenturen angestellt, sagt wann man Zeit hat und ab geht’s.

Neben diesen beiden gibt es natürlich noch viele andere Plattformen und Wege, an Jobs zu kommen. Und in den Monaten vor der Hauptsaison (April/Mai) braucht man in Vancouver zum Beispiel einfach nur mit offenen Augen und einem Lebenslauf durch die Straßen gehen, unzählige Schilder mit der Aufschrift Now Hiring” laden dich quasi zur Bewerbung ein. Weiter gibt es in den Social Media Portalen des Internet viele Gruppen, in denen regelmäßig Stellenanzeigen gepostet werden.

Für Vancouver gesprochen stellt sich also, vor allem im Sommerhalbjahr, weniger die Frage ob man einen Job bekommt, sondern eher was für einen und zu welchen Bedingungen. Das große Geld macht man nicht so einfach, aber zum finanzieren eines kleinen Zimmers und eines einfachen Lebenstiles reicht es.

Jobsuche schon von der Heimat aus?

Da ist er wieder, der deutsche Drang, alles perfekt zu organisieren. Vielleicht ist es auch einfach die deutsche Angst, die diesen Gedanken aufkommen lässt. Grundsätzlich ist die Idee aber nicht schlecht. Wenn man bereits aus der Ferne einen Job finden konnte, wird das Leben in den ersten Tagen definitiv einfacher sein. Die (teilweise schmerzhafte) Orientierungslosigkeit der ersten Tage im neuen Land gepaart mit einem Jetlag wird sicherlich spürbar sinken, wenn man vorher schon diese große Säule der Unsicherheit erledigt hat.

Es gibt einzelne Arbeitgeber, die suchen ganz gezielt Leute mit deutschen Sprachfähigkeiten, sind dann auch gerne zu Skype-Interviews mit Leuten auf anderen Kontinenten bereit. Die meisten typischen Arbeitgeber für Leute mit den Working Holiday Visa suchen aber eher im hier und jetzt, denen ist es schon zu mühsam die vielen Bewerbungen im Email-Postfach durchzuschauen. Daher scheiden viele Stellen für Bewerbungen aus der Ferne aus.

Bewerbungsunterlagen – Das Resume

Wie bewirbt man sich in Kanada? Welche Unterlagen benötige ich? Für die meisten Bewerbungen auf die typischen WHV-Jobs benötigt man eigentlich nur eine Komponente: Den Lebenslauf, der in Kanada auf den Namen “Resume” hört. Ein Anschreiben braucht man nicht, wenn man den Lebenslauf persönlich abgibt. Ansonsten reichen meist ein paar einleitende Worte in der Email.

An dieser Stelle möchte ich nicht allzu tief auf die Gestaltung des Resume eingehen, dazu gibt es genug fundiertes Internetwissen an anderer Stelle. Grundsätzlich gibt es aber ein paar Besonderheiten im Gegensatz zum deutschen Lebenslauf:

  • Kein Bewerbungsfoto
  • Man nennt kein Geburtsdatum oder Alter. Das interessiert nur indirekt.
  • Man fasst im ersten Abschnitt zusammen, was für ein toller Hecht man ist und was man nicht alles kann oder zu können glaubt.
  • Danach listet man chronologisch, beginnend mit dem letzten, seine bisherigen Jobs auf und fasst zu jeden Job zentral zusammen was die Aufgaben, Verantwortungen und die größten Erfolge waren.
  • Man sollte sich selber dabei sehr wichtig nehmen, vielleicht mehr als man es als durchschnittlich bescheidene Person sein sollte.

Vorstellungsgespräche – Interview

Warum darf man nicht authentisch und ehrlich sagen, welche Sachen man gut und welche man nicht gut kann? Ich finde Ehrlichkeit, auch im Umgang mit eigenen Unsicherheiten, sehr authentisch und positiv. Man weiß woran man ist und welche Bereiche man selbst noch optimieren kann. Ich mag es im Berufsleben sehr, Leuten zu begegnen, die authentisch und ehrlich mit ihren Kompetenzen umgehen. Diese Leute genießen in der Regel meinen vollen Respekt, sind nicht angreifbar. Kollegen, die sich permanent kompetenter verkaufen als sie sind, kann ich irgendwann nicht mehr erst nehmen.

Dies ist meine persönliche Haltung. Und mit dieser passe ich definitiv nicht in die (urbane) kanadische Arbeitswelt. Mit meiner Ehrlichkeit zu Unsicherheiten habe ich mir zwei sichergeglaubte und bereits zugesagte Stellen verbaut. Vielleicht kommt an dieser Stelle eine amerikanische Mentalität zum Vorschein: Man hat keine Schwächen. Wenn ich schonmal in der Küche gekocht habe, dann bin ich halt ein Koch. Nicht rumdruxen von wegen “Ich habe das noch nie so richtig selbstständig gemacht, kann ich mir aber vorstellen….”, sondern “Ja, kann ich. Ich haben schonmal für 100 Personen an einem Abend gekocht!” Eine Einarbeitung bekommst du später sowieso. Wenn man die Stelle einmal angetreten hat, sind die Erwartungen nicht so hoch, wie wir das mit unserer deutschen Sicht erwarten würden.