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Charaktervolle Abenteuer mit und ohne Rad.

Vancouver – Erste Impressionen aus einer deutschen Sicht

Ankunft am Flughafen  Vancouver

Landung in Vancouver. Sonnenschein, die Frisur sitzt schon lange nicht mehr, gefühlt dürfte die Sonne auch schon lange nicht mehr scheinen. Ein Flughafen mit Teppichboden, interessant. Welcher Brüllbesenfahrer mag das alles saugen wollen? Was trotz der Müdigkeit recht schnell auffällt ist die Freundlichkeit aller Bediensteten des Flughafens, auch die der Polizei und der anderen Behörden. Sehr schwer, wenn man sich vorstellt, dass die Leute größtenteils einen sehr monotonen Job haben. In Berlin-Tegel schafft man es nicht, dass Personal derart bei Laune zu halten, die Willkommenskultur scheint hier am Flughafen deutlich besser ausgeprägt. Aber das ist ja auch ein Teil des Rufes, der Kanada vorauseilt.

Während der gefühlt langen Wartezeit im fensterlosen Immigration Office kommt dann doch ganz schnell das Gefühl von “eigentlich ist jetzt die Tageszeit, zu der man normalesweise schläft” auf. Zum Glück machen die Grenzbeamten im Kollektiv hinter ihren Schaltern aus einer eigentlich langweiligen Materie eine unterhaltsame Komedieshow quer durch den ganzen Raum, welche einem am Einschlafen hindert:

“Let me guess: German, Working Holiday Visa?”

“Yes, that’s right.”

“Is there still anybody in Germany? They might be all in Canada!….. And one questions: Why do you Germans always want to MAKE holiday? Why don’t you just go on holiday? Almost every German seemes to have an own travel company…” Soviel zu denglischen Missverständnissen.

Erkenntnis des Tages schon jetzt: Aha, hier können Behördenmitarbeiter anscheinend locker und seriös zugleich sein. Eine für mich als ehemaliger deutscher Behördenmitarbeiter eine  völlig neue Erkenntnis.

Take me Downtown

Nach erfolgreicher Immigration geht’s mit dem Skytrain in Richtung Downtown. Naja, irgendwann verläuft die Linie halt nur noch unterirdisch, interessante Namensgebung. Aber das kennt man ja auch aus Hamburg, wo die U-Bahn auf Stelzen und die S-Bahn unter Tage fährt. Wie dem auch sei, einen Fahrer sucht man ähnlich wie in Kopenhagen vergebens. Das Skytrain-Netz ist relativ neu, wahrscheinlich hat ein betrunkener Konstrukteur einfach die Fahrerkabinen vergessen zu bauen und so mussten sich die Informatiker nachher etwas einfallen lassen. Derart Fauxpass kennt man ja bei öffentlichen Bauvorhaben in Deutschland zu genüge.

Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen auf dieser Welt war Kanada für mich immer ein komplett eigenständiges Land und hatte für mich nichts mit den USA gemein. Die Kanadier mögen es schließlich gar nicht, wenn man sie mit dem “großen” Nachbarn, der ja eigentlich kleiner ist, vergleicht. Machen aber sehr viele Leute. Ich war bis zu meiner Ankunft in Vancouver noch nie in den USA, muss aber sehr schnell feststellen, dass hier vieles so ist, wie ich es mir für die USA vorstelle, bzw. so wie ich es über die USA aus Funk und Fernsehen kenne. Die Straßen sind in Quadratform angelegt, es fahren viel zu viele übertrieben protzige Autos durch die Stadt, auf Lärmvermeidung wird hier selbst am Sonntag kaum ein Augenmerk gelegt und es gibt die typisch amerikanischen Fastfoodketten an gefühlt jeder zweiten Ecke, an der jeweils anderen Ecke gibt es “Tim Hortons”, eine urtypisch kanadische Fastfoodkette.

Ein bisschen orientierungslos, mithilfe meiner Kartenscreenshots suchend, laufe ich von der Waterfront Station aus durch die Gegend, um mein Hostel zu suchen. Schnell werde ich von einer freundlichen und schick gekleideten Dame hilfebietend angesprochen.Sie erklärt mir den Weg, warnt mich aber gleichzeitig davor, auf dieser “Hastings Street” zu weit in Richtung Osten zu laufen. Sehr gefährlich, dort seien obdachlose Menschen. Also laufe ich vorsichtig weiter, denn das habe ich schließlich in meinem Leben gelernt: obdachlose Menschen sind IMMER gefährlich. An dieser Stelle sollte ich vielleicht besser erwähnen, dass Ironie meine beste Freundin ist, bevor mir hier noch aufgrund meiner stereotypen Neigungen eine Pegida-Zugehörigkeit unterstellt wird. Ein paar Tage später musste ich feststellen, dass einzelne Obdachlose hier wirklich ein bisschen unberechenbarer sind als ich es bisher kannte. Dazu aber zu einer anderen Zeit mal mehr.

Das Hostel irgendwann erreicht, schnell eingescheckt und dann erst einmal ankommen. Ein “Feierabendbier” in der angegliederten Bar schien mir die richtige Entscheidung. Gar nicht so einfach das passende Bier zu finden bei gefühlt 40 Sorten vom Hahn. Auf meine Beratungsanfrage im feinsten Denglisch antwortet der Barkeeper im feinsten Deutsch. Gut, die Sprache liegt mir auch einfach besser, da hat er schon recht. Naja, als ich dann mal so ein bisschen um mich herum den Gesprächen gelauscht habe, stelle ich fest, dass hier mehr deutsch als auf der Weserstraße in Neukölln gesprochen wird. Scheint eine dezente deutsche Hochburg zu sein hier.

Irgendwann packt mich dann die Müdigkeit, ich beschließe, hoch auf mein Zimmer zu gehen. Den Rest des Bieres nehme ich dann mal “Wegbier” mit aufs Zimmer. Die Rechnung habe ich aber nicht mit der resoluten Rezeptionistin des Hostels gemacht. “No alcohol beyond this point!” fährt sie mich an. Recht verunsichert komme ich mir fast wie ein Schwerverbrecher vor. Zumindest wird mir das von ihrer Körpersprache so signalisiert. Ich muss das Bier erst in der legitimierten Alkoholkonsumzone verzehren oder es dort stehen lassen, es drohen ansonsten hohe Bußgelder. Während sie dies in ihrer oberlehrerhaften Art erzählt, zieht von draußen eine mächtige Graswolke ins Gebäude, welche von ein paar Hostelgästen direkt vor dem Eingang stammt. Das scheint sie im Gegenzug nicht wirklich zu stören. Komisch. Ein paar Tage später sollte ich sie während ihres Dienstes dort ebenfalls Gras rauchen riechen.

Erschöpft von einem 33 Stunden Tag schlafe ich irgendwann ein…. und wache gefühlte zwei Stunden später wieder auf. Es ist vier Uhr nachts, mein Körper teilt mir mit, dass der Tag schon lange begonnen hat, während meine Zimmernachbarn noch seelenruhig schnarchen. Juhu, das ist also dieser Jetlag von dem immer alle reden. Schön, dich kennen zu lernen.

Der erste Morgen

Auf den ersten Morgen in Kanada habe ich mir dann erst einmal im Restaurant ein ordentliches kanadisches Frühstück gegönnt. Immer werde ich das nicht machen können, aber heute ist ein besonderer Tag. Die Kellnerin begrüßt mich äußerst freundlich, lächelt mich die ganze Zeit an, schüttet immer wieder Kaffee nach, schenkt mir einfach unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit. Nicht schlecht, sie scheint mich zu mögen. Nebenbei sieht sie auch noch äußerst attraktiv aus, betont ihre körperlichen Vorzüge auch noch ganz gut durch ihre Kleidung. Ich glaube, wir werden uns morgen früh wiedersehen. Als mein Zimmerkamerade und ich am späten Nachmittag in ein anderes Restaurant gehen die gleiche Geschichte. Die Kellnerin schenkt mir unglaublich viel Aufmerksamkeit. David, was ist hier los, bist du etwa der kanadische Dreamboy. Das kann ja eine nette Zeit werden.

Aber schon kurz darauf siegte meine Skepsis. Auch wenn sie für uns Mitteleuropäer erst einmal sehr persönlich wirkt, ist diese Aufmerksamkeit auch nur professionell. Den entscheidenden Teil des Gehaltes verdienen die KellnerInnen hier per Trinkgeld. 15-20% sind halt immer üblich, nicht wie bei uns 5-10…. Ist klar, dass die Motivation zur Aufmerksamkeit und zu attraktiver Kleidung hier eine ganz andere ist. Schade, ich hätte mich an diese Illusion gewöhnen können.

Und so kommt es natürlich auch deutlich teurer als angenommen. Auch in den Supermärkten oder anderen Geschäften sind die Endsummen immer einiges höher als ausgerechnet. Beim Blick auf den Kassenbon wird es schnell klar. Sämtliche Preisangaben sind immer netto. Es kommen also die gängigen Steuern erst später an der Kasse hinzu. Fast wie früher, als ich mit Papa im Großhandel einkaufen war. Beim Ausgehen in eine Bar merkt man die ganzen “Nebenkosten” am heftigsten. Bier des Tages: $5 pro Pint. Nett. Hinzu kommen lediglich 5% Mehrwertsteuer, 10% Alkoholsteuer und 15-20% Trinkgeld. Wenn man den Barkeeper mag, zahlt man also final $7. Jaja, diese verbraucherfreundlichen transparenten Endpreise in der EU haben schon etwas angenehmes.

 

1 Kommentar

  1. Das klingt ja nach einem vielversprechenen Start. Wünsche viel Spass und viel Erfolg beim Kanada-Abenteuer!

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